Nur der SVW!

Unterwegs mit dem glorreichen Sportverein

Fremad Amager – B 93 2:0, So. 23.08.15, 906 Zuschauer

Fremad wer? Ich gebe zu, diese Paarung wird nicht vielen etwas sagen, es sei aber schon zu Beginn verraten, dass es sich beim Spiel Fremad Amager gegen B 93 um ein Spiel der dritten dänischen Liga (2. Division) in Kopenhagen handelt.

Kopenhagen, genau. Als ich vor einiger Zeit gemerkt habe, dass die Lidl Flixbus-Gutscheine für das gesamte meinFernbus/Flixbus-Netz gelten und meinFernbus ja nach Kopenhagen und Malmö fährt, war der Plan schnell gefasst, einmal nach Kopenhagen zu fahren und auf diesem Wege den Länderpunkt Dänemark zu machen. Für 9,95€ Gutscheinpreis pro Strecke bzw. bei mir etwa 12€ über ebay, sprich reinen Fahrtkosten von knapp 25€ kann man das ganze mal in Angriff nehmen.

Die Terminierung der Bundesliga wollte es so, dass wir an diesem Wochenende Freitags hier in Berlin spielen sollten, so dass das Wochenende bzw der Tag, Sonntag der 23.08., auch schnell feststanden. Zunächst war die Planung eigentlich, endlich mal ein Brøndby-Spiel (an dem Wochenende gegen SønderjyskE) zu besuchen, also Fernbus entsprechend gebucht. 1,5 Wochen vor dem Spiel schreibt mich dann Matze an, dass er am Do., den 27.08. mit dem Fernbus zu Brøndby gegen PAOK, Europa-League-Quali fährt, ob ich nicht mitkommen würde. Da die Fahrt für Sonntag schon gebucht war, die Fahrten per Gutschein sich nicht stornieren lassen und zwei mal Brøndby in einer Woche mir dann doch etwas zu viel war, schnell umgeplant. Glücklicherweise spielte auch der FC København an diesem Sonntag zu Hause (Bericht dazu). Da der Anpfiff beim FCK auf 18 Uhr festgelegt war, mal schnell geguckt, was sich sonst noch an diesem Tag in Kopenhagen für Möglichkeiten ergeben und siehe da, Fremad Amager – B 93, Kopenhagener Derby in Liga 3, Anpfiff 13 Uhr, passt.

Nachdem nun also die Paarungen feststanden und sich fürs FCK-Spiel schnell online mit print@home-Ticket eingedeckt werden konnte (knapp 22€ für den Sitzer Gegentribüne Oberrang Mitte), konnte das Wochenende also kommen. Abfahrt im Fernbus sollte Samstag abend um 23:50 ab Berlin ZOB sein, geplante Ankunft 8:40 Sonntag morgen in Kopenhagen, Rückfahrt Sonntag abend 23:40 und Rückankunft in Berlin 8:30 Montag morgen, man ist ja noch jung!

Samstag abend 23:15 also am ZOB gewesen, kurz drauf kam dann auch der Bus. Da die Ansage des Busfahrers war, dass es voll werden würde, schnell einen guten Platz am Fenster gesucht. Nach und nach wurde es voller und irgendwann kam dann eine Familie, die mich höflich bat, ihr meinen Platz zu überlassen und stattdessen den Platz letzte Reihe links am Fenster zu nehmen. Nett wie ich bin natürlich zugestimmt und mit Sack und Pack umgestiegen. Wie sich kurz darauf herausstellte, war meine Höflichkeit ein großer Fehler, da sich natürlich genau neben mich ein etwas kräftiger Herr setzen musste, der etwa 1,5 Plätze einnahm, mein Bewegungsradius also deutlich eingeschränkt wurde. So kam es, dass ich mit Abfahrt die Augen zwar zugemacht habe, aber bis Ankunft in Puttgarden am Fehrterminal quasi nicht wie geplant schlafen konnte (zum Glück habe ich Samstag tagsüber noch eine Runde gepennt). Die Überfahrt der Fähre dauerte dann leider nur knapp 45 Minuten von Puttgarden nach Rødby, man war quasi gerade aus dem Bus raus (ja, seit dem Estonia Unglück muss man auch bei solch kurzen Strecken immer aussteigen und aufs Personendeck gehen), da kam schon wieder das Signal, sich zu den Fahrzeugen zu begeben. In Dänemark dann noch entspannte 2h die Landschaft betrachtet und pünktlich 8:40 bei Sonnenschein in Kopenhagen angekommen.

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bisschen Sightseeing bei strahlendem Sonnenschein

In Kopenhagen erstmal am Hauptbahnhof ein paar Kronen besorgt, für umgerechnet 8€ (man hat’s ja als Student) die Tasche eingeschlossen und am Fahrkartenautomat ein Cityticket für 80 dänische Kronen (knapp 11€) gekauft. Mit diesem Ticket kann man quasi 24h mit Bus, Bahn und Metro beliebig oft die Zonen 1-4 (also Kopenhagen Innenstadt + Flughafen) befahren. Nachdem nun also alles organisatorische soweit klar war, ging’s ab in die Stadt. Was ich leider vorher nicht bedacht hatte bzw. mich nicht informiert hatte, war, dass genau an diesem Sonntag der IronMan Kopenhagen stattfinden sollte und in der Stadt viele Brücken aktuell wegen Baustellen nicht nutzbar sind. Vorteil an der Sache ist, dass man so auch mal die kleineren Straßen kennen lernt und seinen Orientierungssinn etwas fördert. Da ich während meiner Kindheit schon öfter in Kopenhagen war, war konkretes Sightseeing nicht geplant, die Planung war eher vom Hauptbahnhof zum Wasser, am Wasser entlang, vorbei am Christiansborg Palast durch die Gassen zu Schloss Rosenborg und zurück durchs Stadtzentrum Richtung Rathausplatz, von dem aus der Bus Richtung Stadion fahren sollte. Da wie gesagt wirklich schönes Wetter war und Kopenhagen praktischerweise sehr kompakt ist, ist in der Innenstadt alles fußläufig erreichbar und so reichten knapp 2 Stunden für den gesamten Weg. In Dänemark haben netterweise ja Supermärkte oft auch Sonntags auf, so dass ich mich auch noch mit Getränken eindecken konnte. Kulinarisches Highlight war dann aber doch wieder der Cheeseburger bei McDonalds und später bei Burger King, die Preise in Kopenhagen sind halt doch nicht ohne und da Fisch auch nicht so mein Fall ist…

Auf geht’s zum Spiel, Länderpunkt Dänemark sichern!

 

Gegen 11:15 dann zurück zum Rathausplatz und den Bus zum Sundby Idrætspark, Spielort von Fremad Amager, genommen. Vorm Eingang noch ziemlich tote Hose, einzig ein paar aktive Fans mit Bannern und Choreomaterial kamen gerade an. Auf meine Frage nach Tickets wurde ich mit einem „we will open in a few minutes“ vertröstet. Zwischenzeitlich dann mal auf die Karte fürs Abendspiel geguckt und dabei festgestellt, dass selbst in der ersten liga erst 1 Stunde vor Anpfiff Einlass ist, mit meinen 1,5 Stunden vor Anpfiff in Liga 3 war ich dann wirklich etwas zu optimistisch. Irgendwann kam dann aber der Kassierer und so durfte sich für 50 Kronen durchs Holzdrehtor geschlängelt werden, sehr stylisch.

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Sundby Idrætspark, Stadion von Fremad Amager

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der Eingang mit Holzdrehtoren

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Stadion selbst bietet eine überdachte Sitzplatzhaupttribüne mit 13 Reihen und eine klassische 5-stufige Holztribüne über die komplette Gegengerade. Insgesamt soll das ganze Stadion ein Fassungsvermögen von etwa 7200 Personen haben, am heutigen Spieltag waren etwa 900 Zuschauer anwesend. Witziges Detail am Rande war der mit einer Leine abgesperrte Sponsorenbereich mittig auf der Haupttribüne unter der Sprecherkabine. Da dort überwiegend Familien mit Kindern saßen, vermute ich allerdings, dass besagte Sponsoren normale Fans sind, die sich eine lebenslage Mitgliedschaft oder ähnliches gekauft haben, Sponsoren hatte ich mir jedenfalls anders vorgestellt.

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Blick auf die Haupttribüne

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Holz-Gegentribüne

 

 

 

 

 

 

 

 

Da mir vor Spielbeginn mehrere Fans mit Choreomaterial, Schwenkern und einer Trommel aufgefallen waren, hatte ich mich ein wenig auf aktiven Support eingestellt. Leider kam dieser eigentlich nur von B93, die mit etwa 50 Leuten am Rand der Haupttribüne platznahmen und mit einer Trommel und einem Schwenker 90 Minuten rythmisch vor sich hin trommelten. Anfeuerungsrufe gab es dazu allerdings nur bei Standards. Auf Heimseite erkannte ich etwa 4 getrennte Fangruppen. Mittig auf der Haupttribüne saßen diejenigen, die dank Anfeuerungsrufen für ein wenig Stimmung sorgten. Am rechten Rand der Hauptribüne versammelten sich etwa 10 Personen mit blau-weißen Schwenkern hinter einer Ammager Loyalists Zaunfahne. Die Schwenker wurden in der ersten Halbzeit aber nur einmal genutzt, zur zweiten Halbzeit schwenkten 3 Jungs diese durchgehend, akustischer Support fand aber nicht statt. Auf der Gegentribüne stand dagegen eine Gruppe von ebenfalls etwa 10 bis 15 Leuten, die zu Beginn ein Spruchband mit dem Titel „De Blå/Hvide Engle“ inkl. blau-weißen Papierschnipseln zeigten, was nach Spielbeginn über einem weiteren Spruchband „Tak for sidst! HA HA HA“ aufgehangen wurde. Letzteres Spruchband spielt auf die derzeitigen Leistungen an. die ersten beiden Spiele wurden verloren, so dass man als Tabellenletzter ins Spiel ging.  Wie auf den Bildern unten zu sehen, besitzt diese Fangruppe ebenfalls Schwenker, diese wurden aber nur in die Hecke hinter der Tribüne gesteckt und verblieben dort die gesamten 90 Minuten. Bis auf einzelne Töne aus einer Tröte gab es auch hier nichts akustisches zu hören. Letzte und mir persönlich mit Abstand sympatischste Gruppe waren die Fans rechts auf der Gegengeraden, welche sich vor und hinter jeweils einer gedruckten Zaunfahne „Sunny Side – Antiracistik Ståsted“ einfanden. Mir war es ehrlich gesagt nicht bewusst, dass es in den dänischen Ligen solche klaren antirassistischen (und somit auch irgendwie politischen) Positionierungen gibt (mal abgesehen von einzelnen Fangruppen des FCK). Sehr sympathisch jedenfalls! Leider war niemand so wirklich greifbar, den man zu Details befragen konnte.

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Spruchband zu Beginn des Spiels

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Antirassistische Fußballfans auch in Dänemark

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Spiel selbst gibt es gar nicht so viel zu sagen. Vom Niveau würde ich es eher mit unserer 5. oder 6. Liga vergleichen. Fremad Amager ging bereits in der fünften Minute in Führung und konnte diese in der 75. Minute zum 2:0 Endstand ausbauen, nachdem B 93 kurz vorher 2 Großchancen zum Ausgleich hatte. Der Co-Trainer der Heimmannschaft durfte dann 5 Minuten vor Ende die Bank in Richtung Tribüne verlassen, nachdem er in feinster Dorfplatzmanier nach einem nicht gepfiffenen Foul gegen den Schiri gepöbelt hat.

Zum Schluss bleiben noch ein paar Kuriositäten in Erinnerung:

  • B 93 hat nicht, wie in Deutschland üblich, einen einheitlichen Sponsor auf der Brust, die Mannschaft spielte mit mindestens 3 verschiedenen Sponsoren auf den Trikots der Spieler
  • in der Halbzeit gab es beim Toilettengang ein wenig Verwirrung, als vor mir die Spieler in die als „Toilette“ ausgezeichneten Räume gingen, nachdem dann aber nach und nach andere Fans reingingen, hab ich mich auch getraut, scheint dort normal zu sein, dass Spieler und Fans die selben Toiletten nutzen 😀
  • in der 46. Minute fiel die Spielzeitanzeige aus (bzw. blieb bei 1:xx) stehen, ab diesem Zeitpunkt wurden alle Zeiten nur noch als „etwa zur xx. Minute“ bzw. „etwa xx. Minuten vor Schluss“ angesagt
  • die ausgewechselten Spieler der Heimmannschaft wurden von der Fangruppe mittig auf der Haupttribüne jeweils so lange gefeiert, bis sie aufstanden und sich bei den Fans bedankten, kann man mal machen
  • die Tormusik von Fremad hat es mir angetan (ab 00:39)

 

Ein paar Eindrücke vom Stadion/Spiel:

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