Nur der SVW!

Unterwegs mit dem glorreichen Sportverein

Hertha BSC – Werder 1:1, Fr. 21.08.15, 56376 Zuschauer (10000 Gäste)

Zweiter Spieltag, Freitag Abend, Berlin, für mich quasi ein Heimspiel. Vor dem Spiel schrieben die Zeitungen nur davon, dass Hertha mit einem Sieg Tabellenführer werden kann. Wenn ich an meine Spiele im Olympiastadion denke, klang dies nicht wirklich unrealistisch, aber der Reihe nach.

Schon relativ früh am Freitag Nachmittag ging es Richtung Olympiastadion, da noch die ein oder andere Eintrittskarte besorgt werden musste. Auch wenn ich in Berlin wohne, dauert die Anreise doch knapp eine Stunde, Berlin ist eben doch nicht so klein. In der S-Bahn erstmal zwei Nazis mit Stahlgewitter- und Security-T-Shirts getroffen, geht ja gut los. Man munkelt, dass die beiden zum Ordnungsdienst der Heimseite gehörten. Da vor dem Spiel das neue „Tagebuch der alten Dame“ erscheinen sollte, wollte Matze unbedingt Richtung Heimkurve. Ich zunächst mitgegangen, bis einem mehr und mehr Berliner Szeneleute begegneten, die einen skeptisch musterten. Um unnötigen Stress zu vermeiden ich dann doch wieder umgedreht, während Matze relativ neutral gekleidet weiter ging. Auf dem Weg zurück zum Gästeeingang dann natürlich direkt mal einer 5er Gruppe Hauptstadtmafia begegnet, die mich am T-Shirt als Bremer erkannten. Da vor Ort aber entsprechend viele Bullen rumturnten, nichts passiert. Die weitere Zeit bis Stadionöffnung also doch wieder entspannt vorm Gästeeingang verbracht.

Am Einlass wie jedes Jahr das gleiche Spielchen, auf die normalen Kontrollen am Eingang folgte eine weitere direkt vorm Block. Das übliche Einschleusen von Leuten mit Oberrangkarten in den Unterrang wird neuerdings extrem erschwert. Ich im Block eine zweite Karte besorgt und mit dieser auf dem Weg in Richtung Stadionumlauf, kommt plötzlich der Ordner an „haben sie ihre Karte zur Hand?“ „haben sie noch eine zweite Karte dabei?“ „Nein? dann durchsuche ich sie jetzt“. Zum Glück meinte seine Kollegin, dass die beiden Kerle hinter mir viel interessanter wirkten, so dass ich dann ohne weitere Kontrollen raus kam und die Karte übergeben konnte, Schwein gehabt!

Im Block selbst postierte sich die Szene unten Richtung Spielfeld, von links nach rechts Wanderers, Caillera, Infamous, Intesa, UTB und HB-Crew. Der Block war dank massig Berlintouristen komplett voll und auch der Oberrang direkt überm Gästeblock und die beiden Blöcke rechts neben dem Gästeblock und links auf der anderen Seite des Marathontors waren in grün-weißer Hand. Trotz der hohen Zahl an Kutten und Touris (sorry für die Ausdrucksweise) war die Stimmung von Beginn an gut.

Begonnen wurde mit 5 Minuten „Wir sind die Fans der Elf in grün und weiß“, die Mitmachquote war gegenüber dem letzten Heimspiel und dem Pokalspiel erstaunlich hoch. Leider fiel ziemlich schnell das Gegentor, so dass sich im Folgenden zunächst mit Wechselgesängen zwischen Unter- und Oberrang beholfen wurde. Mein Fall ist das ja nicht, aber kann man mal machen, um die Stimmung und Euphorie nicht direkt komplett zu zerstören. Passend zur Leistung auf dem Platz, die bis zur 25. Minute richtig schlecht war, dann aber deutlich besser wurde, wurde auch im Gästeblock wieder mehr und lauter gesungen, neben „Forza SVW“, „Samstags um halb vier“, wurde es kurz vor der Halbzeit bei einem „die Kurve singt für dich“ noch einmal richtig laut. Könnte natürlich auch an Ujahs Tor in der 26. Minute zum 1:1 gelegen haben, für welches dieser ebenfalls abgefeiert wurde.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurden in der heimischen Gästekurve (ja, auch bei Hertha steht man in der Ost) zwei Spruchbänder unter dem Motto „Montagsspiele abschaffen“ und „Freitagsspiele – 300km-Regel“ gezeigt. Um es gleich vorweg zu nehmen, viel mehr war von der Heimseite diesmal auch nicht zu vernehmen. Bei uns wusste ein etwa fünfzehnminütiges „Werder Bremen allez“ mit zugehöriger Klatscheinlage schwer zu gefallen, gerne öfter. Die Mitmachquote war diesmal wirklich erstaunlich hoch. Auch das „wenn wir in der Gästekurve stehen“ aus 5000 Kehlen klingt schon gut. Auf dem Spielfeld ging es hin und her, 1x Latte und 1x Pfosten nahmen uns rund um die 80. Minute leider die Hoffnung auf den Sieg in Berlin, so blieb es am Ende beim verdienten 1:1, schade, ich hatte so auf meinen ersten „Heimsieg“ gehofft.

Nach dem Spiel kam die Mannschaft zum feiern (feiern wir jetzt schon Punkte? egal!) in die Kurve und Ujah durfte sich am großen UTB-Schwenker versuchen, das üben wir nochmal 😉
Da die Mannschaft sich dann doch recht schnell wieder verdrückte, wurde eben alleine weitergefeiert. Auch weit nach Abpfiff schallten noch unsere Lieder durchs mittlerweile leere Stadion. Erstaunlich, wie viele auch 30 Minuten nach Abpfiff noch beim „Wir sind die Fans der Elf in grün und weiß“ dabei waren und wenn dann selbst die Kutten beim „Gegen alle Stadionverbote“ einstimmen, muss es einfach ein super Spiel gewesen sein.

Gegen 22:45 machte sich schließlich einer der Ordner bemerkbar, dass man doch so langsam mal den Block verlassen sollte. An dieser Stelle möchte ich mich Benes Ansage in Richtung Kurve anschließen:
„Lasst uns die Stimmung mit in die nächsten Spiele nehmen und beim nächsten Heimspiel gegen Gladbach an genau der Stelle weitermachen“
Abgeschlossen wurde das ganze dann noch mit einem „Wo die Weser einen großen Bogen macht“.

Was ein geiler Abend und das, obwohl das Spiel jetzt gar nicht sonderlich gut war. Solch eine super Stimmung weit nach Abpfiff gab es vermutlich zuletzt beim Abschied von Thomas Schaaf in Leverkusen.
Ich habe jedenfalls jetzt doch wieder ziemlich Bock auf Hoffenheim auswärts in 3 Wochen bekommen.

Wir sind die Fans der Elf in grün und weiß!

Bilder gibt es hier:

UTB

Wanderers

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