Nur der SVW!

Unterwegs mit dem glorreichen Sportverein

Sportfreunde Lotte – Werder 2:1, So. 21.08.16, 10058 Zuschauer (etwa 2500 Gäste)

Nun war er nach langer Sommerpause da, unser erster Pflichtspieltag. Für die grün-weißen sollte es in die Provinz nach Lotte zu den dortigen Sportfreunden gehen. Eben diese qualifizierten sich in der Relegation für die diesjährige Teilnahme an der dritten Liga. Aufsteiger in Liga 3 in der ersten Pokalrunde, da war doch was? Richtig, unser letztjähriger Erstrundengegner aus Würzburg machte uns als Aufsteiger das Leben sehr schwer. Nach Verpflichtungen von Spielern wie Kruse, Moisander oder Sané musste ich mir dennoch eingestehen, endlich mal wieder ein gutes Gefühl für den Pokal zu haben. Da man aber nie weiß, was der Pokal bringt, wurde trotzdem ein später Zug für die Heimreise gebucht. Apropos Reise. Werder hat es leider erst 2 Tage vor dem Spiel geschafft mitzuteilen, dass es einen Shuttleservice ab Lengerich geben sollte. Bedeutete natürlich nochmal eine extra Fahrkarte ab Osnabrück, da ich mich an der Auskunft auf der Lotte-Homepage orientierte, nach der das Ziel die Bushaltestelle des Regionalbusses an einer Bundesstraße ist. Wie ihr daheimgebliebenen beim Lesen merkt, Lotte selbst besitzt keinen Bahnhof.

Mit dem IC ging es also von Berlin nach Osnabrück und von dort mit der Regionalbahn weiter nach Lengerich. Leider musste ich bereits am Osnabrücker Bahnhof feststellen, dass meine Ansagen im Shuttlebus auf Schalke in der letzten Saison bezüglich sexistischer Lieder absolut nichts gebracht haben. Genau die selben Leute wie damals sangen wieder davon, dass „Schlampen ihn doch bitte für den SVW in den Mund nehmen sollen“ und weitere überaus peinliche Gesänge. Da kann man sich einfach nur schämen. Zum Glück wurde der Bahnhof schnell erreicht und mit einem kleineren Sprint erreichte man auch den ersten Shuttlebus, um diese Personen nicht auch noch weiter ertragen zu müssen. Der Shuttlebus fuhr dann glücklicherweise auch ziemlich schnell los, nur um dann keine 100 Meter weiter wieder stehen zu bleiben und auf die anderen Busse zu warten. Wollt ihr uns verarschen?! Da hilft es dann auch nicht, dass wirklich jeder im Bus einen Sitzplatz hatte. Nachdem nach und nach die ein oder andere Blase drückte und der Busfahrer überzeugt wurde, noch einmal die Türen für eine kleine Pinkelpause zu öffnen, ging es etwa 20 Minuten später dann doch los. Fernab jeglicher Zivilisation ging es vorbei an Feldern und Bauernhöfen über sehr kurvige Straßen, die teilweise nichtmal eine Fahrbahnmittelmarkierung besaßen. Auch die Fahrt selbst dauerte nochmal locker 15 Minuten bevor man umgeben von weiteren Feldern an einer kleinen Querstraße rausgeworfen wurde. Sah zwar nicht wirklich nach Fußballstadion aus aber nach einem gewissen Fußweg erblickte das Auge dann doch Flutlicht! Auf der Wiese neben dem Stadion, von der man sogar die Autobahn sehen kann (vielen wird Lotte vermutlich überhaupt nur durchs Autobahnkreuz Lotte-Osnabrück bekannt sein), lungerte schon der ein oder andere Werderisti herum. Die Zahl der Suche-Karten-Schilder hielt sich dabei aber echt noch in Grenzen. Wenn ich überlege, wie viele Leute mich vorher nach Karten gefragt haben, hatte ich mit mehr gerechnet. Die Zeit bis Anpfiff vertrieb man sich dann wahlweise mit Gesprächen bei Stefan am Auto, der selbst fleißig am Schnitzer verkaufen war (wer noch keinen hat, sofort zuschlagen!) oder in den Schlangen vorm Eingang des Stadions am Lotter Kreuz, auch FRIMO Stadion genannt. Der Gästeblock dort besteht einerseits aus zwei leider getrennten Stehblöcken, die sich im Bereich Mittelllinie bis Eckfahne erstrecken, wobei der eine vollständig überdacht ist und der andere fast komplett der Witterung ausgesetzt ist und einem Sitzbereich auf der in der Umbauphase vor dieser Saison neu errichteten Hintertortribüne. Optisch wirkt das Stadion ein wenig wie Paderborn in cool. Cooler deshalb, weil die Dächer einfach flacher über den Tribünen sind und wo in Paderborn über der Tribüne nochmal drei Meter Blech hängt, hier einfach auf der anderen Hintertortribüne noch ein zweiter Rang ist. Dadurch wirkt das Stadion viel kompakter und verspürt einen gewissen Flair.

Zwei getrennte Gäste-Stehblöcke bedeutet auch zwei getrennte Eingänge und so hieß es zunächst mal in der richtigen Schlange einreihen. Da in den Fanhinweisen mitgeteilt wurde, dass Taschen und Rucksäcke verboten sind, es gleichzeitig aber auch keine Abgabemöglichkeit gibt (eigentlich ein no-go), stopfte ich all mein Hab und Gut in die Taschen der Jacke. Sorgte dann bei den Security für etwas Verwunderung, rein ging es trotzdem ohne Probleme. Was macht der geneigte Stadiongänger beim Betreten des Stadions erst einmal? Richtig, die Toilette aufsuchen. Hier nach der Taschenthematik der nächste negative Punkt. Für den gesamten Gästebereich gibt es zwei normale Herrentoiletten (neben den Pissoirs), wovon eine schon bei Eintritt ins Stadion verstopft war. In mancherlei Hinsicht lobe ich mir dann doch die großen Arenen. Aber genug genörgelt, rein ins Stadion. Schnell merkte man, dass es heute eine klare Trennung zwischen den einzelnen Stehblöcken geben sollte. Im linken Block auf Höhe Mittellinie heute eher Kutten, normale Zuschauer und der Pöbel, während sich im größtenteils dachlosen Block in Richtung Eckfahne die Szene hinter diversen Zaunfahnen (von links nach rechts u.a.  „Ultras gegen Rassismus“, „Ultra Boys“, „Love Football, hate fascism“, „Sempre avanti ultras“, mehrere Caillera-Zaunis, „Infamous“, „UTB“ und in der Nähe der Eckfahne dann Wanderers und HBC) postierte. Da Stefan und ich beide Karten für den „Kuttenblock“ hatten und beide auch nicht so richtig motiviert waren, uns noch Karten für den Nachbarblock zu besorgen, wurde es im ersten Spiel mal etwas entspannter angegangen, die Saison ist ja auch noch lang genug.

Im Nachbarblock gab es mit Anpfiff, wie im Pokal ja fast schon üblich, jede Menge grünen und weißen Rauch. Sah von der Seite nicht ganz so gut aus, Bilder von der gegenüberliegenden Seite (klick) zeigen aber doch einen sehr schicken Gesamteindruck! Zum Support am heutigen Tag kann ich dagegen leider echt wenig sagen. Durch die räumliche Trennung der Nachbarblöcke kam akustisch kaum was bei uns an. Der Einsatz von Fahnen und Händen wirkte aber schon das ein oder andere Mal sehr geschlossen und gut. Von gut kann man leider bei der Leistung auf dem Feld wirklich nicht sprechen. Ohne etwas vorweg nehmen zu wollen, Werder spielte das ganze Spiel über wie in den ersten Testspielen der Saison. Keinerlei Ideen und Flanken gingen entweder in den Himmel oder weit hinter das Tor. Die Leistung von Yatabaré und Sternberg auf den Außenbahnen war leider wirklich unterirdisch. Aber auch im Mittelfeld fehlte jegliche Spielidee. Bereits nach 8 Minuten gelang den Sportfreunden aus Lotte der Führungstreffer und sie kamen immer wieder sehr regelmäßig vor unser Tor. Bester Mann war bis dahin eigentlich Wiedwald, der schlimmeres verhinderte. Immerhin gelang kurz vor der Halbzeit noch der sehr glückliche Ausgleich. Da man aber auch nach dem Pausentee dort weitermachte, wo man in Halbzeit eins aufgehört hatte, half auch der Ausgleich nichts. Wie nannte des der Reporter in der Sportschau so schön: „man merkte zunehmend einen Klassenunterschied“ (und der sprach nicht für uns!). Früh in Halbzeit zwei machte dann auch Lotte das 2:1 und Werder wirkte ab diesem zeitpunkt so, als wäre der Plan, bis zur 90. Minute mit dem Ausgleichsversuch zu warten und sich in die Verlängerung zu retten. Auch die Einwechslungen von Kainz und Grillitsch konnten trotz besserer Leistung der beiden nichts am Spiel ändern. Andere Spieler wie beispielsweise Bartels, ließen sich dagegen noch zu Unsportlichkeiten hinreißen (rot für ihn), die man sich heute echt hätte sparen können. Genauso sparen können hätten sich die Werderfans in unserem Block auch die ständigen Becherwürfe aufs Feld und die „Skripnik raus“-Rufe. Heute muss sich jeder Spieler wirklich selbst an die Nase fassen, das ist kein Trainerproblem! Mehr gibt es zu dem grausigen Spiel dann auch nicht mehr zu erwähnen. Erwähnung finden sollte noch das „Durchhalten hasthi“-Spruchband der Jugend!

Gegen Ende des Spiels wieß dann auch der Stadionsprecher darauf hin, dass nach Abpfiff direkt die Shuttlebusse für die Gäste zur Verfügung stehen würden, um den planmäßigen Regelverkehr nach Abpfiff noch zu erreichen. Wenn so eine Durchsage kommt, geht man natürlich davon aus, dass dies auch mit Polizei und Co abgesprochen ist und man sich entsprechend drauf verlassen kann. Was war dann? Ich kurz nach Abpfiff (einige Fans betraten den Zaun und warfen weiter Becher, am Zaun zeigten sich eigentlich nur Fritz, Kruse, Caldirola und die Trainer, alle anderen hielten lieber etwas Sicherheitsabstand) also raus und den Weg zu den Shuttlebussen gelaufen um dann festzustellen, dass zwar sogar im ersten Bus noch Platz ist, aus der Ansage „wir fahren, wenn der erste Bus voll ist“ natürlich am Ende aber nichts wurde. 17:35, wir stehen, 17:45, wir stehen immernoch, 17:50 „hallo, ihr wisst schon, dass der Regelzug um 17:54 fahren sollte?!“. Kurz drauf ging es dann auch los, aber auch mit Blaulichtbegleitung erreicht man natürlich nicht in unter 15 Minuten den Bahnhof Lengerich und wie es nunmal so mit einem spielt, trafen wir 18:05 am Bahnhof ein, der nächste Zug sollte erst um 18:54 fahren. Tolle Wurst, in Lengerich gibt es halt außer einer kleinen Bahnhofskneipe gar nichts. Nach gefühlt ewiger Warterei und irgendwelchen Spinnern, die direkt nach Abpfiff im Detail das Spiel analysieren wollten, ging es dann aber auch irgendwann zurück nach Osnabrück bzw. von da weiter nach Bremen bzw. für mich nach Berlin. Na wenigstens brauchen wir uns nicht mehr so viele Termine unter der Woche frei halten und können uns ganz auf die Meisterschaft konzentrieren. Deutscher Meister wird nur der SVW!

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UTB

Unterwegs in Sachen Fußball

Wanderers

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