Nur der SVW!

Unterwegs mit dem glorreichen Sportverein

Werder – FC Ingolstadt 0:1, Sa. 19.09.15, ausverkauft (ca. 180 Gäste)

Nach einem Wochenende ohne Spiel für mich sollte es nun also gegen den sagenumwobenen Topclub aus Ingolstadt gehen. Die Begeisterung hielt sich in Anbetracht der zu erwartenden 5 Gästefans und den allgemein eher schlechten Leistungen gegen Aufsteiger eher in Grenzen.

Los ging es mit Matze zusammen wie üblich Samstag morgen um 8 Uhr per Fernbus (LIDL-Gutscheine olé!). Trotz teilweise zähfließendem Verkehr rund um Hannover erreichte man die Autobahnabfahrt nach Bremen erfreulicherweise deutlich vor der geplanten Ankunftszeit. Die Freude hierüber hielt leider nicht lange an, da der Busfahrer noch eine Überraschung in Form seiner Pflichtruhezeit hatte, die uns ausgerechnet in einer Haltebucht direkt nach der Abfahrt Bremen gegenüber des Vahrer Sees, quasi keine 10 Minuten vom ZOB zu einer 30-minütigen Pause zwang. Und ich wunderte mich schon, wieso er diesmal nicht an der üblichen Autobahnraststätte einen zweiten Fahrer abholte. So kamen wir also statt 30 Minuten vor der Zeit am Ende 10 Minuten nach der Zeit an. Nach kurzer Verpflegung nahe Hauptbahnhof ging es dann auch schon Richtung Stadion, an den Ständen mit neuem Lesestoff eindecken.

Am Stadioneingang dann natürlich direkt den motiviertesten Ordner erwischt, der bei Caillera-Heftchen und Weltenbummler dann tatsächlich wissen wollte, was das ist (und das nicht aus Interesse an der Lektüre). Ja wonach sieht es denn aus?! Da wir früh dran waren, im Stadion noch einen Rundgang richtung Gästeblock gemacht und die Schanzer besucht. Interessant, wie man ohne einmal Karte vorzeigen im Stadion bis zum Zaun des Gästeblocks kommt. Wie nicht anders zu erwarten, waren dann auch nur knapp 180 Gäste aus der Audi-Stadt angereist. Woher Werders Twitter-Service-Account die erwarteten 400 bis 600 Ingolstädert tags vorher hatte, bleibt ein Rätsel. Außer einem Super Schanzer-Schwenker mit Super Mario drauf und einem #BILDnotwelcome Banner vorm Block blieb nicht viel in Erinnerung. Im Heimbereich auf der Gegentribüne mal wieder alles voll mit hässlichen Klatschpappen, haben wir sowas wirklich nötig gegen die so laute Fanschar aus Ingolstadt?!

Etwa 30 Minuten vor Anpfiff dann zurück in die Ostkurve. War es letzte Saison nur gegen die großen Vereine (Hamburg, Bayern, Dortmund und Co) richtig voll, so scheinen diese Saison selbst Vereine wie Ingolstadt die Fans anzuziehen. Tatsächlich scheint dies aber wohl eher nicht am Gegner, sondern viel mehr an einem Herren namens Pizarro zu liegen. Gefühlt jedes zweite im Stadion gesehene Trikot schmückte jedenfalls ein solcher Schriftzug auf dem Rücken. Entsprechend war die Mitmachquote heute leider auch mal wieder sehr mau. Die letzten Spiele hatte ich noch das Gefühl, es bessert sich etwas bei Heimspielen. Heute dann wieder nur der übliche Singsang ohne Elan und mit meiner Meinung nach richtig wenig Teilnahme der „normalen“ Zuschauer. Selbst die Wechselgesänge mit dem restlichen Stadion brauchten mehrere Anläufe. Zwischendurch immer wieder zahlreiche Spruchbänder für Flüchtlinge und gegen den bescheuerten Promo-Ärmelpatch der Bild. Schade, dass sich unser Verein schließlich trotz Fanprotest von diesem Medium hat vereinnehmen lassen.

Auf dem Feld leider ein ähnliches Bild. Ohne Spielgestalter Junuzovic, der heute verletzt fehlte, lief nicht wirklich viel zusammen. Ingolstadt stand hinten gut, Werder ohne Ideen, so dass es außer 2 ganz guten Szenen in Halbzeit eins nichts zu sehen gab. Zur zweiten Halbzeit kam dann ohne erkennbaren Grund schon Pizarro. Statt im Sturm spielte dieser aber eher auf der Spielmacher-Position. Meiner Meinung nach eine fragwürdige Entscheidung, sah man ihm seine alters- und trainingsbedingte Trägheit doch deutlich an. Was mich aber am meisten an der Einwechselung störte, waren die zahlreichen Zuschauer, die nun trotz erbärmlicher Leistung der Mannschaft einen Pizarro ab seiner Einwechselung feierten, obwohl er noch nichts im Spiel gerissen hatte. Wozu sagt Eichin eigentlich noch auf der Pressekonferenz bei der Verpflichtung, dass er nicht möchte, dass Pizarro nun alleine gefeiert wird?! Völlig kontraproduktiv sowas. Auch ich bin ein großer Pizarro-Fan aber wir sind doch für unseren Verein im Stadion, nicht nur wegen Claudio Pizarro, auch wenn manche Ansage von Stolli und die Fanvideos von vorm Spiel leider einen anderen Eindruck erweckten.

Was mir neben den Pizarro-Rufen besonders negativ auffiel, war das Verhalten der Ingolstädter. Bei jeder noch so kleinen Berührung, auch abseits des Balles, wurde sich sofort hingeworfen und auf Freistoß bestanden. Wenn dagegen unsere Spieler verletzt am Boden lagen, wurde ohne zu zögern weitergespielt. Ziemlich unsportlich sowas und bestärkt mich im Wunsch, Ingolstadt schnell wieder absteigen zu lassen (aber natürlich nicht, bevor ich nicht einmal da war 😉 ). Folgerichtig fiel dann auch der Ingolstädter Treffer nach einer ähnlichen Situation. Luki zieht den gegnerischen Spieler im Strafraum und es gibt Elfer. Und das in der 92. Minute. Sehr bittere 0:1 Niederlage, die nicht unbedingt Mut macht für Darmstadt, wissen wir doch, dass die Darmstädter Elf sehr gut ist im hinten rein stellen und Tore verhindern. Genau das, wogegen Werder sich schwer tut.

Nach dem Spiel sollte es dann per IC und ICE über Hannover zurück nach Berlin gehen. Am Bahnhof dann noch die Fanszene des VfB Oldenburg getroffen, die von ihrem Sieg bei Goslar zurückkamen und ihre Tabellenführung ein wenig feierten (Glückwunsch dazu!). Am Aufgang zum Bahnsteig dann ein wirklich unnötiger Angriff der Polizei auf einzelne Oldenburger. Diese wussten sich aber zu wehren und konnten im 1 gegen 1 überzeugen. Angriff abwehren und den Angreifer (!) an die Wand drücken, während seine Kollegen nur zugucken, kann man mal machen, Respekt! Nachdem die sich zurückziehenden Beamten ihren Plan, den Zug der Oldenburger im nächsten Bahnhof zu stoppen, so laut herausposaunten, wurden natürlich noch die Oldenburger kurz gewarnt. Ob es zur geplanten Aktion seitens der Staatsmacht kam, keine Ahnung. Still not loving police!

Unsere Rückfahrt wurde dann dank eines Bayernfans, der mit seinem Bremer Kumpel beim Spiel war, auch noch erstaunlich lustig. Nach ein paar Gesprächen über Möglichkeiten der Anreise zu Werder-Spielen wollte uns dieser doch tatsächlich zum Vorwurf machen, dass wir für 17 Euro mit dem Bus von Berlin nach Bremen fahren oder dank Lidl-Gutscheine aktuell sogar für 10 Euro pro Strecke durch Deutschland reisen. So warf er mir unter anderem an den Kopf, dass durch mich die Welt zugrunde geht, weil es nicht sein könnte, dass man solche Angebote nutzt. Klar sind Preise von 10 bis 20 Euro für solche Strecken nicht wirklich wirtschaftlich und im Grunde zahlen Firmen wie meinFernbus/Flixbus aktuell drauf, aber im Grunde bleiben dies doch erstmal Einführungsangebote und ich bin mir sicher, dass die Preise mit der Zeit auch steigen werden. Aber wieso ist es meine Schuld, dass solche Firmen diese Preise anbieten? Sein Vorschlag war dann, lieber 10 Euro mehr für die Bahn zu zahlen. Schon interessant, ausgerechnet die so stark subventionierte Bahn nutzen zu sollen, mal davon abgesehen, dass ich selbst für 10 Euro mehr oft kaum ein Ticket kriege. Von meinen Problemen (sehe unter anderem den Bericht zum Würzburg-Spiel) mit eben dieser Bahn mal abgesehen. Wenn es ihm bei der Diskussion wenigstens um Umweltaspekte gegangen wäre, aber nein, da kamen dann doch tatsächlich noch Vorschläge wie fliegen, ja nee ist klar. Was für wirres Zeug er von sich gab, macht vielleicht die Tatsache deutlich, dass er dann plötzlich mitten im Satz anfing, wir sollten doch Flüchtlinge aufnehmen und Dortmund würde demnächst international gegen syrische Teams spielen. Selten so einen Quatsch gehört. Den wenigen anderen Reisenden schien unsere Diskussion jedenfalls zu gut zu gefallen. Als wir in Hannover umsteigen mussten und der Herr seine Fahrkarte am Platz liegen ließ, meinte ein anderer Reisender eiskalt „möchtest du deine Fahrkarte nicht mitnehmen? sonst musst du nachher noch für 8 Euro den Bus nach Berlin nehmen“, das hat gesessen. So wurde die Umstiegszeit in Hannover genutzt, sich nochmal kurz zu verpflegen und einen Waggon möglichst weit weg von diesem Kerle zu suchen. Denn auch wenn es furchtbar lustig war, kann man bei manchen Dingen einfach nur mit dem Kopf schütteln. Es gibt schon komische Menschen. Mit etwa 35 Minuten Verspätung kamen wir dann aber auch wieder noch vor Mitternacht in Berlin an, trotz lustiger Erlebnisse irgendwie ein Tag zum vergessen!

weitere Bilder gibt es hier:

Caillera

UTB

Wanderers

Wellenbrecher Teil 1

Wellenbrecher Teil 2

 

 

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