Nur der SVW!

Unterwegs mit dem glorreichen Sportverein

Werder – Hertha BSC 3:3, Sa. 30.01.16, 40141 Zuschauer

Heimspiel gegen Erna aus Berlin. Bedeutet für mich auch immer Anreise mit vielen blau-weißen im selben Zug. Entsprechend viel Spaß vorprogrammiert, noch dazu aufgrund der Tatsache, dass es morgens über Hamburg nach Bremen gehen sollte. Meine Erfahrungen mit der Hertha sind ja nicht gerade die besten und eher geprägt von homophoben Pöbeleien (Gruß an dieser Stelle an meine Freunde der Hauptstadtmafia!). In Anbetracht dessen verlief die Anreise bis Bremen eigentlich total unproblematisch, von fehlenden Zugteilen und komplett falschen Reservierungsanzeigen im Zug von Hamburg nach Bremen mal abgesehen. Aber dafür kann die Hertha ja nichts, oder etwa doch?!

Erstaunt war ich über die Tatsache, dass jede Menge Herthaner mit Fahnenstangen und sonstigem Szenematerial so frei durch den Bremer Hauptbahnhof laufen, erlebt man sonst eher selten. Eher selten oder besser gesagt überhaupt das erste Mal in meiner Erinnerung, schafften es dagegen die Gäste, sich aufgrund verbotener Glasflaschen und unnötiger Pöbeleien zwangsweise einer Personalienfeststellung vor den Schließfächern zu unterziehen…

Aufgrund des Regens wurde sich heute für die Anreise mit Straßenbahn entschieden, was sich sehr schnell als Fehler herausstellte, waren doch die Wege im Viertel wegen teilweise gesperrter anderer Straßen komplett zu, so dass dann doch ab Viertel der Fußweg eingeschlagen wurde. Vor dem Spiel noch die ein oder andere Hand geschüttelt und Pensée und Weltenbummler (heute als special-Din A4-Edition, wenn die nicht mal wertvoll wird, dafür endlich in einer Schriftgröße für die alten Leute wie mich :D) organisiert,  ging es auch pünktlich ins Stadion.

Vor dem Spiel gab es einen Redebeitrag von Stolli zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, welche sich am vergangenen Mittwoch jährte. Während die Ostkurve diesem mit Applaus antwortete, hatten die Gäste tatsächlich nichts besseres zu tun als mit „Ha-Ho-He“ und „Scheiß Werder Bremen“ zu antworten. Ziemlich unnötige und peinliche Aktion, Hertha halt. Überhaupt muss ich sagen, bin ich von Hertha ziemlich enttäuscht. Da spielt man 15:30 im nicht sonderlich weit entfernten Bremen (3,5h mit dem Zug) und kaum 2000 Leute sind da. Optisch sah das ganze sogar nach noch viel weniger aus. Auch akustisch war der blau-weiße Haufen im oberen Teil der Westkurve kaum zu hören. Wenn ich da an die mitgehörten Gespräche vorher im Zug denke von wegen wie viele Herthaner denn immer auswärts fahren würden. Ja nee ist klar! Was allerdings nicht heißen soll, dass es auf Heimseite so viel besser war. Auch hier war zu Beginn, mal abgesehen von den üblichen vielen Fahnen und Doppelhaltern, wenig los. Anfängliche Forza SVW  und Egal wo du auch spielst-Gesänge wurden nach 29 Minuten jäh vom 1:0 Führungstreffer für Hertha unterbrochen. Bis dahin spielte Werder gut mit und stand hinten dank Neuzugang Djilobodji echt sicher. Ich mochte ja Luki wirklich gerne, aber Papy ist schon ein Zweikampf-Tier. Über 85% gewonnene Zweikämpfe standen am Ende für ihn zu Buche, dazu ein gelungener Freistoßversuch, der nur mit Mühe vom Herthaner Keeper geklärt werden konnte. Aber zurück zum Führungstreffer. Dieser fiel eigentlich wirklich wie aus dem Nichts und Wiede sah dabei nicht unbedingt gut aus. In der Folge merkte man Werder eine Unsicherheit an, die man auf Schalke teilweise schon vergessen gemeint hatte. War auch nicht erwarten, dass man wieder gegen eine Mannschaft der ersten 6 so gut aussieht wie gegen Schalke. Dennoch war der Treffer zum 2:0 für die Gäste kurz vor der Halbzeit per Freistoß mehr als unnötig. Wieder musste sich Wiedwald eingestehen, nicht ganz so gut auszusehen. Ebenso unnötig fand ich aber auch das Gehopse zu „Auf geht’s Bremer Jungs“ schon nach dem 1:0-Führungstreffer. Klar anfeuern ist gerade nach Gegentoren wichtig aber Rumgehopse doch eher nach einem Tor der eigenen Mannschaft. Erstaunlicherweise bedeutete das 2:0 für Hertha aber auch ein Aufbäumen der Heimkurve. In der Folge klangen Gesänge wie „Egal wo du auch spielst“, „Sportverein Werder Bremen“ und „Da oben da stehen die Fans“ einfach viel lauter! Scheint wohl auch die Mannschaft mitbekommen zu haben. Aus der Pause kam man jedenfalls deutlich besser als gegen Ende der ersten Halbzeit und so konnte der eingewechselte Bartels in der 67. Minute nach Vorarbeit Santi seine Schnelligkeit ausspielen und mit einem schönen Alleingang aufs Tor vor der Ostkurve zulaufen und verwandeln. Ausrasten in der Ostkurve, dabei war es nur der Anschlusstreffer aber man merkte, da geht noch was. Auch vom kurz darauf folgenden 3:1 der Herthaner ließ man sich nicht davon abbringen, die Mannschaft aus der Kurve laut und geschlossen anzufeuern. Dass das Anfeuern der Mannschaft in dieser schweren Phase nach erneutem 2-Tore-Rückstand half, kam auch in den Interviews nach Spielende zur Erwähnung. Die Mannschaft ließ sich jedenfalls nicht unterkriegen und konnte mit unserer Hilfe erst durch Pizarros Elfer (Ujah wurde im 16er gefoult, zu erwähnen auch noch, dass sich Herthas Nummer 6 vor Ausführung des Elfers absichtlich in den 16er stellt, die Schuhe auf macht und dann nochmal neu bindet, finde ich persönlich ja ziemlich unsportlich) und dann seiner Haarspitzenberührung nach Garcia-Schuss noch einmal ausgleichen. Sowas gibt es wohl nur bei Werder. Fühlte sich in dem Moment wie ein Sieg an und Skripnik stellte nach Spielende fest, dass eine Mannschaft mit solchen Leistungen nicht absteigt. Wollen wir hoffen, dass er recht behält! In der Folge wurde es noch einmal lauter, weil man merkte, da geht noch mehr. Am Ende blieb es dann aber doch beim 3:3 und was soll man sagen. Einerseits glücklich, nach zwei solchen Rückständen noch mal zurückzukommen, andererseits wäre am Ende halt doch auch ein 4:3 für uns möglich gewesen, wäre aber vielleicht doch des Guten zu viel.

Ich bin jedenfalls zuversichtlich, nach den zwei starken Leistungen auf Schalke und gegen Hertha möglichst früh den Klassenerhalt klar zu machen. Wenn nur nicht immer auch die direkte Konkurrenz gewinnen würde. Wobei heute ja zum Glück ein Großteil derer verloren hat. Half aber alles nichts, wir sind weiter 16. und müssen am kommenden Freitag in Mönchengladbach die Leistungen der letzten beiden Spiele und insbesondere die des Pokalspiels in Gladbach vor anderthalb Monaten bestätigen! Wir sind die Elf in grün und weiß!

Während der zweiten Halbzeit gab es noch mehrere Spruchbänder in Richtung der Stadionverbotler („Auch draußen brennen eure Herzen weiter“ – UTB, „Nick, immer bei uns“ – HBC), dazu ein „Gute Besserung Orhan“ von WB und das „Free Valentin“-Banner von Infamous zum letztwöchentlichen Prozessauftakt gegen Valentin. Freiheit für Valentin und zwar sofort!

Die Rückfahrt lief dann, mal abgesehen von vielen besoffenen und irgendwie aggressiven Herthanern in Verbindung mit jeder Menge Ballermann-Hits (jedenfalls stelle ich mir Mallorca so vor, bisher hat es mich ja noch nicht da hin verschlagen, wo war eigentlich UL gestern?!), ganz gut und so hatte ich schon um 22:30 wieder Berliner Boden unter den Füßen. Man kann ja nicht jede Woche noch um 17:30 am anderen Ende von Deutschland spielen…

 

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Wanderers

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