Nur der SVW!

Unterwegs mit dem glorreichen Sportverein

Hannover 96 – Werder 2:1, Fr. 06.04.18, 49000 Zuschauer (etwa 6500 Gäste)

Freitag Abend gegen Hannoi. Werder aktuell gut in Form, der kleine HSV zuletzt eher schwach. Aber Werder wäre nicht Werder, wenn man sich in solchen Fällen nicht als guter Aufbaugegner erweisen würde.

Eigentlich ging der Tag gut los. Schon in der Nacht schickte man eine S-Bahn mit großem „Destroy Hannoi“-Schriftzug gen Süden. Auch der Aufruf seitens Caillera und Jugend zur gemeinsamen Zuganreise und Treffpunkt am Hauptbahnhof wurde mehr als gut angenommen und nicht nur von den Gruppen getragen. Ich bin ja unglaublich schlecht im Abschätzen von Teilnehmerzahlen, daher nehmt die Bilder als Anhaltspunkt. Von vorne wirkte das Ganze jedenfalls schon sehr groß. Nachdem am Hauptbahnhof noch eine Kurdendemo nach mehr als fragwürdigen Razzien Tags vorher in Hannoi solidarisch begrüßt wurde, ging es begleitet von 2 Wasserwerfern vor und hinter dem Fanmarsch bei Sonnenschein durch die Hannoveraner Innenstadt. Waren die Ansagen der Polizei zunächst noch halbwegs lustig, nervten die Richtungsansagen relativ schnell. Der Zugfahrerhaufen ließ sich davon aber wohl nicht stören. Zu Beginn machte man mit einigen Klatscheinlagen und Anti-Hannover-Gesängen auf sich aufmerksam. Insgesamt war der Marsch aber doch sehr ruhig, was die umstehenden Personen aber nicht davon abhielt, ständig das Handy für Fotos und Videos rauszuholen. Wenn man besagten Personen dann, indem man sie selbst fotografiert, klar macht, wie scheiße das ist, regen sie sich auch noch tierisch auf. Ein Hoch auf die Doppelmoral! Bis etwa zur Hälfte der Strecke blieb auch die Staatsmacht total entspannt. Als sich dann doch mal 10 Hannoveraner in sicherer Entfernung getrennt vom Wasser zeigten und sich einzelne Personen aus dem Marsch lösten, meinte die Polizei natürlich, sich sofort vermummen und mit Pferden zeigen zu müssen, wie toll man sei. Einen neuen Freund habe ich jedenfalls bei der Aktion auch gefunden. Ließ man M. und mich bis dahin ohne Probleme zwischen der Polizei und vorm Marsch rumlaufen, erntete ich ab dann nur noch böse Blicke von meinem neuen, nun vermummten, Freund. Grund? Habe ich mich doch tatsächlich erdreistet, ihn darauf hinzuweisen, dass er das Schubsen bitte unterlassen solle und er nicht alleine hier wäre…  Blieb dann aber trotz nun vermummten Polizisten oh Wunder alles entspannt. Einzig die Pferde waren mehrmals kurz davor durchzudrehen. Ich möchte nicht wissen, was die vor so einem Einsatz bekommen. Hannover zeigte sich den ganzen Marsch nur 2-3 Mal kurz, aber die haben im Verein aktuell wohl auch andere Sorgen als uns. Dass Fußballfans entgegen einzelner Berichte in der Boulevardpresse nicht totale Chaoten sind, konnte man kurz vor Ende des Marschs sehen als ein Rettungswagen von hinten durch wollte. Schaffen diese Fußballfans es doch tatsächlich, sofort eine Rettungsgasse zu bilden. Wenn das die BLÖD wüsste…

Etwa 19 Uhr kam man dann auch vorm Stadion an und durfte sich auf die in Hannover typischen, ausgiebigen Kontrollen freuen.  Die letzten Teilnehmer des Marschs waren erst kurz vor 20 Uhr im Stadion. Zwar musste man diesmal nicht alles aus den Taschen holen und in Boxen legen, wenn man aber immer nur so wenige durch die Drehkreuze lässt, dauert das halt. Im Stehbereich des Gästeblocks herrschte heute aufgrund von Pyroeinsatz beim letzten Gastspiel vor knapp 2 Jahren komplettes Materialverbot. Am Ende schafften neben Trommeln und Megafonen auch 3 bis 4 kleinere Schwenker den Weg in den Block. Dauerhaft im Einsatz aber eigentlich auch nur ein WB- und ein Haifa-Schwenker der Ultra Boys. Neben einem T-Shirt-Wende-Spruchband „Kind muss weg!“ und „50+1 muss bleiben!“ zum Anpfiff von WB (Fotos siehe hier) gab es zahlreiche Luftballons mit eben diesen Schriftzügen im Block. Die Stimmung zu beurteilen fällt mir mal wieder schwer. Der Start war eigentlich super, der Wechselgesang mit dem Unterrang zeigte schnell, dass wohl noch deutlich mehr als die angekündigten 5500 Grün-Weißen im Stadion waren. Bei einigen neueren Liedern fehlte mir aber doch die Mitmachquote. Scheinbar fahren manche Leute nur zu den Spielen im Umland.

Die Leistung unserer Elf in grün und weiß, die es des öfteren mal bis zum Sechszehner schaffte, Abschlüsse aber dann eher gen Himmel zeigte, trug jedenfalls nicht gerade zur Stimmung bei. So war es wenig verwunderlich, dass es nach starkem Start schnell ruhiger wurde. Klar, man hatte aufgrund des weiter andauernden Stimmungsboykotts der Hannoveraner Szene (auch wenn DFB und DFL sich mittlerweile zu 50+1 bekannt haben, versucht Kind weiter alles, außerdem werden andere Meinungen in Form von Spruchbändern zensiert) keinen Gegner auf den Rängen und war so immer tonangebend, nach dem frühen Gegentor war es aber eindeutig zu leise. Über das zweite Gegentor brauchen wir dann gar nicht reden. Als Belfodil dann 15 Minuten vor Ende ganz plötzlich das 1:2 erzielte, wurde es noch mal richtig laut. Hätte man diese Stimmung mal über 90 Minuten gezeigt. Den Wechselgesang mit Schal mit dem Unterrang müssen wir aber trotzdem nochmal üben. Alles in allem bis auf den starken Start und die 10 Minuten ab dem Anschlusstreffer ein sehr durchwachsener Auftritt, bei dem man zwischendurch aber immer mal gesehen hat, wie viel Potenzial da wäre.

Nach dem Spiel sollte es mit einer eigenen Straßenbahn zum Hauptbahnhof gehen. Klappte dann natürlich nicht wirklich. Schön, wenn man eine eigene Bahn auf die Kreuzung fahren lässt, dabei aber nicht bedenkt, dass auch Rollstuhlfahrer in die Bahn wollen. Jedenfalls waren wir zu dritt zu Fuß am Ende etwa zeitgleich zum Rest am Hauptbahnhof, es zog sich dort also noch etwas hin. Nach etwa 45 Minuten Aufenthalt am Hauptbahnhof ging es dann begleitet von Bundespolizei und BFE mit dem RE nach Bremen.

Von Hannover wie schon angesprochen sowohl während des Marschs kaum was zu sehen und auch im Stadion aus bekannten Gründen alles ruhig. Einzig ein Spruchband gegen den Gästeblock „Der Fisch stinkt vom Kopf. Nicht nur aus dem Gästeblock!“ sorgte für etwas Erheiterung. Mit mehreren Spruchbändern äußerte man sich außerdem zur Zensur bei Spruchbändern u.ä. Was ich erstaunlich finde ist die Tatsache, dass man in Hauptbahnhofnähe wirklich jeden Kleber überklebt, in Stadionnähe dann aber Kleber der Weekendbrothers WOB und eklige Kleber der Identitären (siehe Foto) und „FCK Antifa“ einfach hängen bleiben.

Scheiß Hannover, scheiß Hannover, scheiß Hannover 96!

 

weitere Bilder gibt es hier:

Infamous

3 Kommentare

  1. Jonathan

    Gibt es Fotos von der „Destroy Hannoi – SBahn“ ?

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      1. Jonathan

        Vielen Dank!

        Antworten

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