Nur der SVW!

Unterwegs mit dem glorreichen Sportverein

Werder – Borussia Dortmund 1:1, So. 29.04.18, 41000 Zuschauer

Am 32. Spieltag hat sich also auch für unsere Grün-weißen das Thema Abstieg erledigt, der Klassenerhalt ist uns sicher. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich den Klassenerhalt lieber selbst heute oder die kommenden zwei Spiele klar gemacht und dafür gestern einen Sieg des VfL Wolfsburg gesehen hätte. Aber war ja klar, dass der Rekord-Relegationsteilnehmer es am Ende doch wieder irgendwie schaffen wird, seine geliebte Relegation zu erreichen.

Beschäftigen wir uns aber nicht mit hoffentlich dennoch bald aussterbenden Dinos, es ist schließlich Heimspiel unseres glorreichen Sportvereins! Bei typisch Bremer Wetter (man weiß nicht, was es eigentlich sein soll, entsprechend kleidet man sich eh falsch, am Ende war es ganz untypisch super sonnig) also auf gen Hansestadt. Für mich etwas ungewohnt sollte es heute mal nicht vor’m Spiel an den Stand und auch danach nach knapp einem Jahr mal wieder in die Ostkurve gehen, aber was tut man nicht alles für die Familie. Da der Großteil frühzeitig über meine Abwesenheit informiert war, konnte die Zeit bis Anpfiff heute auch mal wieder mit Besuch bei den Stadtmusikanten, Ausflug ins Schnoor u.ä. genutzt werden.

Etwa eine Stunde vor Anpfiff doch noch ein paar Werderisti begrüßt und dann auch schon rein ins Stadion. Die Ostkurve zu diesem Zeitpunkt gegenüber meinem letzten Spiel von dort noch angenehm leer. Im Bereich der Intesas grüßte ein “Willkommen zurück Freunde” Banner. Bis Anpfiff füllten sich die Blöcke im Gegensatz zum Gästeblock doch ordentlich. Dort war der Stehbereich zwar gut gefüllt, der Sitzbereich aber doch recht leer. Da hat man jedenfalls schon mehr von Dortmund gesehen. Aufgrund des größtenteils verlängerten Wochenendes sollte auch die Terminierung hier keine Ausrede sein. Desperados, The Unity und Jubos flaggten mittig im Stehbereich an und fielen zu Beginn optisch mit zahlreichen Doppelhaltern im Bereich von TU auf. Im Laufe des Spiels war der Materialeinsatz im Gästeblock ordentlich, akustisch war ich dagegen erstaunt, wie selten man in der Ost zu hören war. Insbesondere in Halbzeit eins hätte man des öfteren die Chance gehabt, da die Ostkurve trotz Lautsprecheranlage und zahlreichen Megafonen nicht so recht motiviert wirkte. War alles in allem doch sehr zäh in Halbzeit eins und die Liedauswahl auch nicht immer so glücklich (z.B. wenn man ein Lied, das außer vom aktiven Teil der Szene überhaupt nicht getragen wird, trotzdem immer wieder anstimmt). Ich will jetzt nicht explizit nach Gründen für die Leistung der ersten Hälfte suchen, wenn aber zumindest im 134er doch zahlreiche die erste Hälfte sitzend auf den Wellenbrechern verbringen, passt das meiner Meinung nach nicht so richtig. Spielerisch leider auch die Gelb-schwarzen deutlich besser und nach knapp 20 Minuten verdient in Führung.

Den Wendepunkt sowohl auf dem Platz als auch in der Ost brachten die Minuten kurz vor der Halbzeit, wurde unsere Elf in grün und weiß doch immer stärker und nach viel Rumstocherei vor’m Tor köpfte Delaney zum Ausgleich ein. Genau der richtige Zeitpunkt und so wurde die Euphorie genutzt und mal bis in die Pause rein gesungen. Zur Halbzeit wurde, wie aktuell in so vielen Kurven der Bundesliga, von mehreren Gruppen per Spruchband Kritik an der geplanten Überarbeitung des Polizeiaufgabengesetzes in Bayern (leider auch in anderen Bundesländern schon im Gespräch) geäußert (u.a. “Heute Bayern, morgen Deutschland. Polizeiaufgabengesetz stoppen” – Wanderers, “Freistaat Bayern als Vorbild? Gegen Polizeistaat per Gesetz! Gegen das Psychatriegesetz!” – Caillera), der man sich nur anschließen kann! In Halbzeit zwei legten dann sowohl Ostkurve (nach weiteren Spruchbändern, u.a. “Gruß” des UTB an Rainer Wendt) als auch Mannschaft auf dem Platz im Vergleich zur ersten Halbzeit deutlich zu. Kam man spielerisch immer öfter vor’s Dortmunder Tor und erarbeitete sich so gute Chancen, welche leider ungenutzt blieben, konnten auch in der Ost mal Lieder länger getragen werden. Zwar kam das “Ein Leben lang, für immer mit dir” heute nicht so gut an und es bleibt insgesamt bei Heimspielen weiterhin viel Luft nach oben, andere Lieder klappten dafür teilweise überraschend gut. In Anbetracht der Anspannung vieler aufgrund des ständigen hin und her vor beiden Toren hat mir die zweite Halbzeit jedenfalls ganz gut gefallen. Am Ende konnte ein verdienter Punkt mit Option für mehr mitgenommen werden und insbesondere Pavlenka, welcher wieder mal überragend hielt und großen Anteil am Punktgewinn hatte, wurde von der Ostkurve gefeiert.

Nach nervig langen Wartezeiten an den Straßenbahnen und großem Polizeiaufgebot im Viertel ging es dann doch pünktlich nach Hause.

Ich möchte noch die Chance nutzen, um auf die 2 sehr empfehlenswerten Veranstaltungen diese Woche hinzuweisen. Bereits morgen (oder bei Veröffentlichung des Berichts heute, Montag) lädt Infamous zum Vortrag “Fankultur im Kriegsgebiet: Fußball ist unsere Waffe” ins BDP-Haus. Donnerstag gibt es im Fan-Projekt einen Vortrag zum Thema “Grauzonen: Rechte Lebenswelten in Fußballfankulturen”. Wir sehen uns spätestens gegen den Zitronenmann!

Spruchbänder heute:

“Willkommen zurück Freunde” – Intesa

“Gegen alle Betretungsverbote” – UTB

“Return the old spotted dog ground to the people” – Infamous

“Heute Bayern, morgen Deutschland. Polizeiaufgabengesetz stoppen” – Wanderers

“Freistaat Bayern als Vorbild? Gegen Polizeistaat per Gesetz! Gegen das Psychatriegesetz!” – Caillera

“Endloshaft für Gefährder Herrmann – Nein zum Polizeiaufgabengesetz”- Infamous

“Gegen jeden Antisemitismus” – Infamous

“Mit krimineller Energie dem Staat auf der Tasche liegen – Rainer Wendt einer von uns” – UTB

weitere Bilder gibt es hier:

Caillera

4 Kommentare

  1. AvangsWerder

    Hi Stellan, sag mal wieso gehst du eigentlich sonst nie in die Ost? Bzw wie es sich liest seit einem Jahr nicht mehr? LG 🙂

    Antworten
    1. Stellan (Beitrag Autor)

      Bis Mitte letzte Saison war ich immer nur in der Ost (war auch vorher noch nie woanders im Stadion), aber irgendwie war das für mich am Ende nur noch Pflichtprogramm. Nur vorne wurde dauerhaft mitgesungen, wenn du mal weiter hinten 90 Minuten supporten wolltest, wurdest du oft schief angeguckt und immer wieder Konflikte aufgrund sexistischer und homophober Scheiße mit total alkoholisierten Leuten. Gleichzeitig mal 2 bis 3 Spiele mit anderen Personen der aktiven Fanszene, die öfter in der West sind, dort gewesen und gemerkt, dass es dort auch nett sein kann und man von dort auch teilweise gut Fotos machen kann (was mich immer störte war, dass es bei den Gruppen immer länger dauerte, bis es Spieltagsbilder gab, mittlerweile hat sich das ja teilweise wieder etwas gebessert). Und jetzt bin ich halt seit 1,5 Jahren oder so größtenteils in der West, mache meine Fotos und rege mich auch dort von Zeit zu Zeit über die Wortwahl mancher Leute auf. Nur sitzen kommt für mich weiterhin nicht in Frage. Klar, das Supporten fehlt mir schon öfter bzw. habe ich dann halt nur auswärts, aber wenn ich sehe, dass doch ein paar Leute die Bilder über Twitter, Facebook und Instagram streuen und damit auch nicht im Stadion anwesenden Personen klarmachen, dass wir bei Werder keine Nazis und sonstige Idioten wollen, sehe ich das auch irgendwie als Support, auch wenn ich weiß, dass viele in den Gruppen von Fotos nicht sonderlich viel halten.

      Und in der Ost bin ich halt meist nur noch, wenn jemand aus der Familie dabei ist (wie gestern) oder Freunde anderer Vereine zu Besuch da sind.

      Antworten
  2. Supporter

    Guter Bericht, sehe ich auch so was Stimmung in der ost und Gästeblock angeht.
    Wo bekomme ich mehr Bilder von der Kurve ? Bei caillera sind ja nicht so viele. Gruß

    Antworten
    1. Stellan (Beitrag Autor)

      Abwarten, bis die anderen Gruppen Fotos veröffentlichen. Ist ja gerade mal 2 Tage nach dem Spiel, so schnell hat normal nicht mal Caillera die Bilder online 😉

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Zustimmung zur Datenspeicherung lt. DSGVO